Einführungslehrgang

Der Einführungslehrgang diente der Unterweisung von Zivildienstleistenden (ZDL) in Deutschland. Jeder Zivildienstleistende sollte innerhalb der ersten drei Dienstmonate an einem solchen Lehrgang teilnehmen und wurde normalerweise vor Dienstbeginn zu einem Lehrgang in einer der staatlichen Zivildienstschulen abgeordnet. Jeder Zivildienstleistende musste dabei an einem einwöchigen staatsbürgerlichen Lehrgang teilnehmen, in dem er über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt werden sollte. Zivildienstleistende im Pflegedienst mussten an einem dreiwöchigen Lehrgang teilnehmen, bei dem sie grundlegendes Wissen über ihren Einsatzbereich vermittelt bekamen. Zivildienstleistende, die nicht an einem Einführungslehrgang teilnahmen, sollten die entsprechenden Kenntnisse dienststellenintern im Rahmen des Einweisungsdienstes vermittelt bekommen.
Der Einführungslehrgang bestand aus zwei Formen:
Im einwöchigen Lehrgang – der zivildienstspezifischen Einführung – wurden dem Zivildienstleistenden wesentliche Grundlagen des Zivildienstes vermittelt. Der Lehrgang bot die Gelegenheit, sich mit der Institution Zivildienst auseinanderzusetzen (Wesen und Aufgaben) und zu hinterfragen, was der Zivildienst für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutet. Hier wurde ein Forum zur Auseinandersetzung mit dem Staat geboten, der den jungen Bürgern den Pflichtdienst abverlangte. Außerdem gab es Informationen über Geld- und Sachbezüge sowie Rechte und Pflichten eines Zivildienstleistenden.Bestandteil des Lehrgangs war weiterhin ein Seminar zur politischen Bildung. Die Themen waren breit gefächert; es ging um aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen.
Viele Zivildienstleistende, die im engeren sozialen Bereich eingesetzt wurden, hatten keine Vorkenntnisse für ihre Tätigkeit. In der fachspezifischen Einführung sollten Grundkenntnisse vermittelt werden, die es ihnen ermöglichte, ihren Dienst kompetent und fachlich angemessen zu leisten. Dabei mussten die speziellen Bedürfnisse der betreuten Menschen berücksichtigt werden. Den Zivildienstleistenden sollte bewusst gemacht werden, in welcher Situation sich die auf Hilfe angewiesenen Menschen befinden und mit welchen Schwierigkeiten und Problemen sie leben müssen. Genauso wichtig war es, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen als Helfer und Betreuer zu erfahren. Ein weiterer Schwerpunkt war es, sprachliche und menschliche Fähigkeiten für den Umgang mit den zu betreuenden Menschen zu erlernen und weiter zu entwickeln. Der Unterricht bezog dabei die Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen und Bedürfnisse der Lehrgangsteilnehmer bei der Themenauswahl mit ein. Entsprechend wurden Zivildienstleistende aus dem Umwelt- und Naturschutz in ihre speziellen Tätigkeiten und Aufgaben eingeführt.
Die fachspezifische Einführung wurde mit folgenden Schwerpunkten angeboten:
Der Lehrgang war eine Pflichtveranstaltung. Während der Dauer des Lehrgangs wurde die Dienststelle des Zivildienstleistenden in die Zivildienstschule verlegt. Ebenso war die dienstliche Unterkunft des Zivildienstleistenden in dieser Zeit die Zivildienstschule. Rein rechtlich bestand die Pflicht des ZDLs in der Herberge der Zivildienstschule zu übernachten – gemäß dem Zivildienstgesetz musste er nach Unterrichtsschluss bis 23 Uhr auch dort anwesend sein, es sei denn, es wurde erweiterter Nachtausgang bis 1 Uhr genehmigt. In der Regel wurde der Nachtausgang grundsätzlich genehmigt und die Rückkehr des Zivildienstleistenden nach dieser Zeit nicht geprüft bzw. ein Fernbleiben während der Nachtzeit nicht sanktioniert.
Die Unterrichtszeiten wurden als Dienstzeiten gerechnet. Für die Verpflegung kam die Zivildienstschule auf, so dass kein Verpflegungsgeld gezahlt werden musste. Die Dozenten und der Rektor der Zivildienstschule waren während der Lehrgangsdauer den ZDLs weisungsbefugt. Ein Fernbleiben vom Unterricht wurde als Dienstflucht prinzipiell mit Disziplinarmaßnahmen (Geld- und Haftstrafen) geahndet.