Michaelskirche (Metterzimmern)

Die evangelische Michaelskirche in Metterzimmern, einem Teilort von Bietigheim-Bissingen, ist eine der Jugendstilkirchen in Württemberg.

Innerhalb nur eines Jahres 1906 von Heinrich Dolmetsch erbaut, wurde die Kirche am 6. Dezember 1906 geweiht. Ein Blitzschlag in das Gebäude der Vorgängerkirche beendete jahrelange Unstimmigkeiten um einen Neubau. Die Pläne von 1905 hatten als Vorbild die Kirche in Lehrensteinsfeld. Die Ausführung erfolgte in Anlehnung an das Eisenacher Regulativ.
Grundanlage: Rechtwinkliges Kirchengebäude mit südlichem Seitenschiff und etwas nach hinten versetzten 30 m hohen Turm (welsche Haube) und einer Apsis. Besonderheit: Überdachter Vorbau des Westeingangs.
Steinsäulen für Empore und Trennung zum Mittelschiff. Kapitelle im Jugendstil. Flachdecke mit gefelderten Ornamenten. Kanzel, Altar, Taufstein symmetrisch in einer Linie; Mittelachse der Kirche durch Sitzgruppen des Seitenschiffes dagegen asymmetrisch angeordnet. Chorraum mit zwei dreisitzigen Chorbänken, Sternenhimmel und Fensterband.
Fünf Glasfenster des Stuttgarter Bildhauers Karl Theodor Bauerle bilden die zentralen biblischen Bezüge ab: Die Heimkehr des verlorenen Sohnes, Nikodemus kommt in der Nacht zu Jesus (Johannes 3,1 – 21), die Geschichte von Maria und Marta (Matthäus 10,38 – 42) sowie links und rechts außen zwei Fenster zum Motiv des Psalms 126,5 „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“
48.9598359.104623Koordinaten: 48° 57′ 35″ N, 9° 6′ 17″ O

Hugues Panassié

Hugues Panassié (* 27. Februar 1912, in Paris, Frankreich; † 8. Dezember 1974 in Montauban, Frankreich) war ein französischer Jazz-Autor, Jazz-Saxophonist und Mitbegründer des Hot Club de France. Er galt in Frankreich als „Jazz-Papst“.

Er studierte am College in Villefranche in der französischen Grafschaft Rouergue, musste dies aber 1928 wegen einer Kinderlähmungs-Erkrankung unterbrechen.
1934 schrieb er eines der ersten auf Befragung der schwarzen Musiker selbst beruhenden Jazz-Bücher Le Jazz Hot, wobei er sich vor allem der Informationen und Verbindungen von Mezz Mezzrow bediente. Davor wurde Jazz in Europa vor allem als Musik (weißer) Tanzorchester verstanden. Es folgten viele weitere Bücher über Jazz (und auch eines über Rugby).
1932 gründete er mit Charles Delaunay den Hot Club de France (in der Rue Chaptal in Paris). Er schrieb für frühe Jazz-Zeitschriften wie La Revue du Jazz, Jazz Tango Dancing und die 1935 von Delaunay gegründete Le Jazz Hot. Ab 1950 gab er einen eigenen Bulletin du Hot Club de France heraus (später unterstützt durch Madeleine Gautier).
Ab 1937 war er im Beirat der amerikanischen Hot Record Society. Er finanzierte und organisierte auch Aufnahmen von Jazzmusikern, wie die legendären Panassié Sessions 1938 mit Mezz Mezzrow, Sidney Bechet, Tommy Ladnier (den er erst nach langem Suchen fand), Sidney De Paris und James P. Johnson. Bechets Musik wurde während der deutschen Besatzung von Widerstandssendern übertragen und förderte dessen Popularität ungemein. Auch während des Krieges bezog er weiter Platten über Portugal. Als ihn einmal ein deutscher Beamter nach einem der Titel fragte – „Tristesse de Saint Louis“ auf dem Cover, innen drin St. Louis Blues von Louis Armstrong – sagte er, es wäre über den armen Ludwig IX. . 1938 und 1949 war er zu längeren Aufenthalten in den USA.
Wie nicht wenige Jazz-Enthusiasten hatte er fanatische Überzeugungen. Nach dem Krieg begann er einen Streit mit Delaunay über die nach dem Krieg in Frankreich Erfolge feiernde Musik des Modern Jazz, der er absprach, den Namen Jazz zu verdienen (der Titel eines seiner Bücher lautet denn auch La véritable musique de Jazz, womit er vor allem den New Orleans Stil meinte). Er verschickte sogar eine regelrechte Anklageschrift an die Hot Clubs in Frankreich. Aber auch sonst war er Purist – selbst gegenüber seinem Freund Louis Armstrong klagte er bei einer Gelegenheit, er solle doch bitte „à la Niou“ (New Orleans) spielen.
1948 gründete er das erste europäische Jazz-Festival in Nizza, wobei Louis Armstrong, Earl Hines, Rex Stewart und Mezz Mezzrow auftraten.
Ab 1938 wohnte er in Montauban, wo heute zu seinem Andenken Jazz-Festivals stattfinden. Seine Plattensammlung ist als Ganzes erhalten geblieben und befindet sich in der „Médiathèque de Villefranche-de-Rouergue“ im Département Aveyron.

Einführungslehrgang

Der Einführungslehrgang diente der Unterweisung von Zivildienstleistenden (ZDL) in Deutschland. Jeder Zivildienstleistende sollte innerhalb der ersten drei Dienstmonate an einem solchen Lehrgang teilnehmen und wurde normalerweise vor Dienstbeginn zu einem Lehrgang in einer der staatlichen Zivildienstschulen abgeordnet. Jeder Zivildienstleistende musste dabei an einem einwöchigen staatsbürgerlichen Lehrgang teilnehmen, in dem er über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt werden sollte. Zivildienstleistende im Pflegedienst mussten an einem dreiwöchigen Lehrgang teilnehmen, bei dem sie grundlegendes Wissen über ihren Einsatzbereich vermittelt bekamen. Zivildienstleistende, die nicht an einem Einführungslehrgang teilnahmen, sollten die entsprechenden Kenntnisse dienststellenintern im Rahmen des Einweisungsdienstes vermittelt bekommen.
Der Einführungslehrgang bestand aus zwei Formen:
Im einwöchigen Lehrgang – der zivildienstspezifischen Einführung – wurden dem Zivildienstleistenden wesentliche Grundlagen des Zivildienstes vermittelt. Der Lehrgang bot die Gelegenheit, sich mit der Institution Zivildienst auseinanderzusetzen (Wesen und Aufgaben) und zu hinterfragen, was der Zivildienst für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutet. Hier wurde ein Forum zur Auseinandersetzung mit dem Staat geboten, der den jungen Bürgern den Pflichtdienst abverlangte. Außerdem gab es Informationen über Geld- und Sachbezüge sowie Rechte und Pflichten eines Zivildienstleistenden.Bestandteil des Lehrgangs war weiterhin ein Seminar zur politischen Bildung. Die Themen waren breit gefächert; es ging um aktuelle politische und gesellschaftliche Fragestellungen.
Viele Zivildienstleistende, die im engeren sozialen Bereich eingesetzt wurden, hatten keine Vorkenntnisse für ihre Tätigkeit. In der fachspezifischen Einführung sollten Grundkenntnisse vermittelt werden, die es ihnen ermöglichte, ihren Dienst kompetent und fachlich angemessen zu leisten. Dabei mussten die speziellen Bedürfnisse der betreuten Menschen berücksichtigt werden. Den Zivildienstleistenden sollte bewusst gemacht werden, in welcher Situation sich die auf Hilfe angewiesenen Menschen befinden und mit welchen Schwierigkeiten und Problemen sie leben müssen. Genauso wichtig war es, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen als Helfer und Betreuer zu erfahren. Ein weiterer Schwerpunkt war es, sprachliche und menschliche Fähigkeiten für den Umgang mit den zu betreuenden Menschen zu erlernen und weiter zu entwickeln. Der Unterricht bezog dabei die Fähigkeiten, Kenntnisse, Erfahrungen und Bedürfnisse der Lehrgangsteilnehmer bei der Themenauswahl mit ein. Entsprechend wurden Zivildienstleistende aus dem Umwelt- und Naturschutz in ihre speziellen Tätigkeiten und Aufgaben eingeführt.
Die fachspezifische Einführung wurde mit folgenden Schwerpunkten angeboten:
Der Lehrgang war eine Pflichtveranstaltung. Während der Dauer des Lehrgangs wurde die Dienststelle des Zivildienstleistenden in die Zivildienstschule verlegt. Ebenso war die dienstliche Unterkunft des Zivildienstleistenden in dieser Zeit die Zivildienstschule. Rein rechtlich bestand die Pflicht des ZDLs in der Herberge der Zivildienstschule zu übernachten – gemäß dem Zivildienstgesetz musste er nach Unterrichtsschluss bis 23 Uhr auch dort anwesend sein, es sei denn, es wurde erweiterter Nachtausgang bis 1 Uhr genehmigt. In der Regel wurde der Nachtausgang grundsätzlich genehmigt und die Rückkehr des Zivildienstleistenden nach dieser Zeit nicht geprüft bzw. ein Fernbleiben während der Nachtzeit nicht sanktioniert.
Die Unterrichtszeiten wurden als Dienstzeiten gerechnet. Für die Verpflegung kam die Zivildienstschule auf, so dass kein Verpflegungsgeld gezahlt werden musste. Die Dozenten und der Rektor der Zivildienstschule waren während der Lehrgangsdauer den ZDLs weisungsbefugt. Ein Fernbleiben vom Unterricht wurde als Dienstflucht prinzipiell mit Disziplinarmaßnahmen (Geld- und Haftstrafen) geahndet.